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18.04.2011

PV keine Überforderung für das Netz

Gegen einen wachsenden PV-Anteil an der Versorgung wird oft die Gefahr einer Netzüberlastung angeführt: Aber nicht alle Argumente halten der Prüfung stand.

Intelligente Lösungen zur Integration von Solarstrom in die Niederspannungsebene seien noch nicht ausgereift, berichtete zum Beispiel die Financial Times Deutschland am vergangenen Freitag. Der enorme Zubau im Solarbereich sorge zunehmend für Komplikationen im Netz, so der Autor Sascha Renzing. Kritiker der Solarenergie sähen das Energiesystem wegen des vielen unsteten Sonnenstroms schon vor dem Kollaps. Bei weiterem starken Wachstum könnte die PV an Sommertagen bald 100% des Verbrauchs abdecken. "Dann müsste der konventionelle Kraftwerkspark mittags komplett auf Null runter- und abends schlagartig wieder hochgefahren werden."

Renzings Analyse enthält allerdings einige Schwachstellen. So zitiert er einen Experten, dem zufolge zurzeit zirka 98% aller PV-Anlagen hierzulande ihren Netzanschlusspunkt am Niederspannungsnetz haben. Der Wert ist falsch. Der Anteil der PV-Anlagen am Mittelspannungsnetz ist mit der wachsenden Zahl von Solarkraftwerken gestiegen. Derzeit hängen nach Auskunft des Wechselrichterherstellers SMA noch höchstens 85% der PV-Leistung am Niederspannungsnetz. SMA hat die nötige Übersicht, weil der Hersteller die Wechselrichter für fast die Hälfte der deutschen PV-Leistung geliefert hat.

In einem von Renzing zitierten BSW-Solar-Szenario, das aus seiner Sicht wohl eher ein Schreckensbild darstellt, könnte sich die installierte PV-Leistung in Deutschland bis 2020 auf 70 GW vervierfachen. "Damit zeichnen sich auch Engpässe auf den übergeordneten Netzebenen ab", schließt Renzing und geht auf die angeblich problematische PV-Vollversorgung ein. Hierzu ist zu sagen, dass 70 GW installierte PV-Leistung nicht 70, sondern eher 50 GW eingespeiste Leistung ergeben. Mit einer PV-Einspeisung in dieser Höhe wäre Deutschland von einer 100% Versorgung mit Solarstrom 2020 noch relativ weit entfernt. Die Jahreshöchstlast lag laut Prognose des European Network of Transmission System Operators for Electricity in Deutschland 2010 bei rund 76,7 GW, die entsprechend vorgehaltene Netto-Kraftwerksleistung betrug 135 GW. Auch bei Realisierung eines PV-Ausbaus im vom BSW-Solar angenommenen Umfang bis 2020, gäbe es also noch viel Platz für weitere erneuerbare Erzeugungsanlagen.

Auch bei der Beschreibung der Folgen einer vollständig solaren Einspeisung liegt Renzing schief: Er schreibt, der konventionelle Kraftwerkspark müsste bei 70 GW Solarstromleistung in Deutschland "mittags komplett auf Null runter- und abends schlagartig wieder hochgefahren werden". Das ist so nicht richtig, denn die Forderungen nach einem höheren Solarstromanteil sind in der Regel stets begleitet vom Hinweis auf die dafür nötigen größeren Speicherkapazitäten. Einspeisemanagement und Speicher könnten also 2020 für eine effiziente Verteilung der Solarstromnutzung über den Tag sorgen, das Runter- und Rauffahren anderer Kapazitäten würde weich abgefedert. (vu)

Quelle: Sonne, Wind und Wärme - www.bva-solar.de


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